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| Meeresfische Westeuropas und des Mittelmeeres
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Schade um das gute Buch!
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Alle meine Rezensionen ansehen (REAL NAME) Rezension bezieht sich auf: Meeresfische Westeuropas und des Mittelmeeres (Gebundene Ausgabe) Endlich mal ein Feldführer, der uns nicht auffordert, Flossenstrahlen oder Schuppenreihen zu zählen! Versuchen Sie das mal bei einem schwimmenden Fisch! -- Der Autor, ein Fischkundler und Taucher, geht neue und überzeugende Wege in der Bestimmung von Fischen in der freien Natur. Zunächst werden die Arten ganz praktisch eingeteilt in solche des freien Wassers, in solche, die sich über dem Meeresgrund aufhalten und drittens in die, die direkt auf dem Meeresgrund leben oder liegen. Dann wird weiter unterteilt nach im Wasser gut sichtbaren Merkmalen wie Anzahl der Rückenflossen, abgeplattetem Körper, schlangenförmigem Körper und "Bizarren" Formen. -- Der Autor strebt Vollständigkeit für alle Fische bis 50 m Tiefe an. Tatsächlich bietet kein anderes Buch derart viele abgebildete Arten inklusive Einwanderer aus dem Roten Meer. (Laut Werbung 800 Farbfotos und 1000 Zeichnungen.) Zudem sind, wo erforderlich, Färbungsvarianten abgebildet. Die Farbfotos sind zwar relativ kleinformatig, zeigen aber die Feldkennzeichen gut. Zwei Ausnahmen sind reproduktionstechnisch völlig missraten. Der Text ist ebenfalls ausgezeichnet. Er gliedert sich in die Abschnitte Unterscheidungsmerkmale, Beschreibung, Lebensweise, Beobachtung und Verwechslungsmöglichkeiten. Grösse und Tiefenbereich sind in Kästchen angegeben. Man merkt, dass der Autor aus 30jähriger Taucherfahrung schöpft und die allermeisten Arten selbst in ihrem Lebensraum beobachtet hat. Besonders lobenswert ist, dass auch der kulinarische Wert mit ein oder zwei Gabeln bewertet wird. Die Gefährlichkeit einzelner Arten (Giftfische etc.) wird in zwei Stufen realistisch und ohne Übertreibungen dargestellt. Das Layout ist gut und praktisch: Die Hauptkategorien (freies Wasser etc.) und die Untergruppen sind mit verschiedenfarbigen Banderolen oben auf der Seite gekennzeichnet. Die Verbreitungskarten sind aktuell. Kurz: Das Buch hat das Zeug zu einem Standardwerk für Fish-Watcher. -- Nun kommt aber das grosse Aber. Die deutsche Übersetzung des französischen Originals ist offensichtlich schludrig produziert worden. Es fängt schon auf S. 8 bei der Danksagung an. Dort liest man unter dem schönen Foto von Meerraben "Corbs (voir p. 171)". Die Bildunterschrift wurde also gar nicht übersetzt, und der Seitenverweis ist erst noch falsch. In nicht weniger als 10 Fällen bin ich beim Durchblättern auf schlicht unübersetzte französische Namen und Satzteile gestossen, vorwiegend bei Bildunterschriften, aber auch im Text. S. 183 liest man z.B.:"Die Gabeldorsche sind leicht mit den motelles (S. 242-247) zu verwechseln..." Motelles hätte mit Seequappen übersetzt werden müssen, und die betreffenden Arten befinden sich auf den S. 245-247. Bei der Haiart Centrophorus uyato fehlt sogar der gesamte Text. Einmal wird zwei verschiedenen Fischarten (Lichia amia und Campogramma glaycos) der gleiche deutsche Name Grosse Gabelmakrele gegeben, und die Fotos der einen Art sind zudem mit dem wissenschaftlichen Namen der andern Art angeschrieben. In zwei Fällen wird in der Überschrift des Artabschnitts ein anderer Name verwendet als im Text. In mehreren Fällen ist auf der Banderole die falsche Kategorie aufgeführt. Im Register bin ich bei sechsmal Nachschlagen einmal auf eine falsche Seite verwiesen worden. -- Kein Buch ist fehlerfrei, aber die Häufung von Fehlern in diesem Buch überschreitet das akzeptable Mass bei weitem, und das ist bei einem Werk dieser Preisklasse und dieses Anspruchs ärgerlich. Wenn die Übersetzerin geschlampt hat, hätten spätestens der Lektor und das Korrektorat aufmerksam werden müssen. Die haben hier versagt. Diese Art Fehler muss nämlich auch Nicht-Fachleuten auffallen. -- Dem Buch ist eine gründlich korrigierte Neuauflage zu wünschen; es hätte sie wirklich verdient. In einem solchen Fall wären auch deutsche Übersetzungen der wissenschaftlichen Familiennamen hilfreich, die es in vielen - nicht allen - Fällen gibt, und die in diesem Buch nur sporadisch verwendet werden. Zweitens würde ich mir bei einer Neuauflage die Angabe mindestens der französischen, englischen, italienischen und spanischen Fischnamen wünschen, sofern vorhanden. Die allermeisten Arten haben ja ein grosses Verbreitungsgebiet und sind auf Fischmärkten und Speisekarten vieler Länder anzutreffen. Und ich hätte mir auch ein Verzeichnis der Literatur gewünscht, die der Autor benützt hat. -- Trotz allem muss ich das Buch empfehlen. Es gibt zurzeit nichts Besseres auf dem Markt. Die Neuauflage des Klassikers "Die Meeresfische Europas" von Muus & Nielsen 1999 ist zwar sorgfältig und schön gemacht, enthält aber viel weniger Arten als der Louisy.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 5. März 2003 | | |
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