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| Mit Haien sprechen: Das faszinierende Verhalten eines bedrohten Jägers
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Auch Haie haben etwas Liebenswürdiges
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Auf 270 Seiten gelingt dem Autor der überzeugende Beweis, dass Haie in keiner Weise der menschlichen Sprache mächtig sind. Bis zum Schluss packend, kann gezeigt werden, dass allein die permanente Unterwassersituation die Absonderung verbaler Inhalte zu allen Zeiten zuverlässig zu verhindern vermag. Der Autor sieht sich in einem Dilemma: Neben dem Verzicht auf Sprachproduktion und der ausschließlichen Hinwendung auf mimische und gestische Interaktionsformen fehlt es obendrein an jeglichen schriftlichen Aufzeichnungen der Haie. Obwohl es diese Spezies seit vielen Millionen Jahren zu geben scheint - es wurden bisher allenfalls ausgebrochene Zähne gefunden, die mit deutlichem Imponieraspekt auf dem Meeresgrund abgelegt worden waren - hat keiner ihrer Vertreter jemals Relikte in Schriftform hinterlassen; die Zeit dazu wäre gewesen!
Unter Aufbietung allergrößter Mühen und Kosten steht der Autor vor der Aufgabe, diese sorglosen Gesellen - wie gesagt meistenteils unter Wasser - zu rehabilitieren. Und dabei ist es doch dem Hai selbst vorzuhalten, wenn der Mensch, der doch wirklich mit mannigfaltigen Problemen auf der Welt beschäftigt ist, ihn bislang so gründlich missverstanden hat. Da hilft es auch nichts, die intellektuellen Fähigkeiten des Hais in die Nähe der Hochbegabung zu rücken, wenn diese mit der armseligen Geistesausstattung des Knochenfischs verglichen werden:
"... viele Knochenfischarten - anders als die meisten Haie - (müssen) nicht ständig vorwärts schwimmen" (S. 224).
Eben - diese Rastlosigkeit ist ja gerade die Folge von körperlich-geistigen Defiziten, denn der zu Unrecht diffamierte Knochenfisch hat neben der Kiemenstruktur auch die einzigartige Schwimmblasentechnik entwickelt und perfekt integriert, so dass er er eben in der Lage ist, inne zu halten und besinnlich die Dinge in seiner Umgebung, wunderbare Farben der Korallen, anmutige Algen und dergl. zu betrachten! Waren wir Menschen nicht auch voller Stolz, als wir in der Lage waren, etwas so Grandioses wie das Luftschiff zu konstruieren? Nein, hier werden dunkle, durch ADS geprägte Teilleistungsstörungen beim Hai glorifiziert.
Im Übrigen scheint das gesamte Buch aus einer einzigen Überlegung seine Begründung abzuleiten, nämlich aus der behaupteten Furcht vor dem Raubtier unter Wasser. Es ist dem Autor in der Tat voll und ganz zuzustimmen, dass der Hai ein Anrecht auf Ernährung habe und es demzufolge auch ausübe. Aber wer hat denn nun wirklich Angst, von einem Hai angegriffen zu werden? Anscheinend ja nicht die "Milliarden von im Meer badenden Menschen", S. 254, von denen pro Jahr weniger als 10 zu Tode kommen. Hier fehlt ganz eindeutig der Hinweis, dass die ebenfalls die Zahl von mehreren Milliarden übersteigenden Menschen, die nicht im Meer baden, noch viel weniger Angst vor Haien haben, wie eine repräsentative Umfrage unter Einwohnern von Peking, Salt Lake City, Nowgorod und Klein-Wanzleben (Schüttel 2003) ergab.
Für wen ist dies Buch nun allenfalls geeignet? In erster Linie natürlich für den unreflektierten Tierfreund, der sich in seiner Hoffnung, Tiere würden stets größere Fähigkeiten als der Mensch haben (wobei sie diese meist erfolgreich zu verbergen verstehen), voll bestätigt sehen dürfte. Auswüchse dieser impulsiven Tierliebe können wir täglich in der Zeitung lesen, wenn wieder einmal Immobilien- oder Finanzhaie zugeschlagen haben, die sich Inhalte wie die des vorliegenden Buches selbst zu eigen gemacht haben. Weiter dürften Aquariumsbesitzer durchaus wertvolle Anregungen darin finden, z.B. dass Haie in Gefangenschaft gefüttert werden dürfen, wobei dadurch auch die Unfälle an Stränden sicher vermieden werden können (S. 256). In der gegenwärtigen Wirtschaftskrise ist es auch zu überdenken, ob gegenüber Finanzhaien nicht auch das "simulierte Aasfressen" (S. 240) gesetzlich verankert werden soll.
Rund herum ein reichlich bebildertes, kurzweiliges Werk, für Haie und die, die es schon sind.
Eine Rezension von Lejon "macsound" >
vom 16. Januar 2009 | | |
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