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| Bilder des Himmels: Die Geschichte des Jenseits von der Bibel bis zur Gegenwart
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Wunderbarer Einblick in die Kulturgeschichte des Himmels
• • • • • (bewertet mit 5 von 5 Punkten)
Alle meine Rezensionen ansehen (REAL NAME) Rezension bezieht sich auf: Bilder des Himmels: Die Geschichte des Jenseits von der Bibel bis zur Gegenwart (Gebundene Ausgabe) Es ist ein interessantes Genre, das mit diesem Buch eröffnet wird - und eine Prachtausgabe dazu. Viele tatsächliche Bilder aus der Geschichte der jüdisch-christlichen Kultur werden abgedruckt und dazu theologische Texte, die einen Einblick geben in die Vorstellungs- und Glaubenswelt, die sich in den vergangenen zwei bis drei Jahrtausenden um das himmlische Jenseits gerankt haben.
Im Ganzen gibt das Buch einen wunderbaren Einblick in die Kulturgeschichte des Himmels, und zwar sowohl mit Hilfe der zahlreichen, vielfach detailliert kommentierten Abbildungen, als auch durch die sehr instruktiven Texte.
KLAUS BERGER vermittelt in seinem ersten Beitrag eine biblische Grundlegung zum Himmel. Dieser ist "eine komplexe Wirklichkeit, die das sichtbare Firmament ebenso umfasst wie den Ort Gottes, der Engel und der Seligen. Am sichtbaren Himmel... fliegen Vögel... Der unsichtbare Himmel dagegen ist ein verborgenes Etwas, in dem alles das, was in der Zukunft gut sein wird, aufgehoben ist. Der sichtbare Himmel bestimmt das Licht und die Zeit, der unsichtbare verbirgt die Unvergänglichkeit" (13). Auch der (sichtbare) Himmel wurde von Gott geschaffen, und zwar mit der Erde gemeinsam; der (sichtbare) Himmel und Erde werden vergehen wie alles Geschaffene (16). "Vor allem von Plato (hingegen) geht die Überzeugung aus, dass der Himmel immateriell und rein geistig ist" (17). Das irdische Geschehen soll dem himmlischen entsprechen; so er- hält Mose den Auftrag, den Tempel in Jerusalem nach dem Vorbild des himmlischen Tempels zu errichten (Ex 25,40). Als der Auferstandene und "Erhöhte tritt Jesus Christus (nach Hebr. 8) beim himmlischen Vater für die Menschen ein und reinigt die entscheidende Dimension, nämlich das Gewissen der Menschen" (18f). Berge gelten als Eingänge zum Himmel; Bergheiligtümer (Ararat, Sinai, Zion) haben diese Funktion der besonderen Begegnung von Gott und Mensch bis heute bewahrt: "Die Gipfelkreuze auf alpinen Höhen sind ein lebendiger Rest dieser Anschauung" (25).
Himmel und Erde gelten jedoch als durch einen Vorhang geschieden: "Den Tag über verhüllt er die am Firmament befestigten Gestirne. Abends wird der Vorhang zurückgezogen, damit Mond und Sterne die Erde erleuchten können. Durch Fenster in diesem Vorhang sehen die Engel die Menschen" (26). Vor allem am Ende der Zeiten tritt der Himmel in engen Kontakt mit der Erde; die himmlischen Normen werden im Weltgericht auf der Erde durchgesetzt. Der Teufel ist ursprünglich "eine Art Staatsanwalt vor Gottes Thron" (30). Erst nach dem Satanssturz auf die Erde verfolgt dieser "jetzt die Frau und ihre Kinder (die Kirche; Offb 12,13 bis 18)" (33). Auf der Erde liegt deshalb alles daran, die Macht Satans und der Dämonen zu brechen. Von unten nach oben steigen vor allem die Seligen; der Himmel ist Aufenthaltsort der Verstorbenen. Schon nach dem Alten Testament werden Henoch (Gen 5,24 und Elija (2 Kön 2,1-18) in den Himmel entrückt. Sie sollen in der Endzeit von dort wiederkehren, Umkehr predigen, gegen den Antichrist kämpfen und dann den Märtyrertod sterben: "Nach Angabe zahlreicher Apokalypsen werden sie dann nach drei Tagen unbeerdigt auferstehen und dann wirklich endgültig in den Himmel entrückt werden" (39). Das Fazit ist: "Im Judentum und im Christentum ist das Gegenüber von Himmel und Erde nicht statisch verstanden, sondern Schauplatz eines Dramas, und zwar von Auf- und Abstieg, schließlich aber von Berührung und Verwandlung" (42).
Im zweiten Beitrag erläutert WOLFGANG BEINERT die Geschichte des Himmels. Der Beitrag beginnt mit einer Abbildung und Beschreibung der monumentalen Darstellung des Jüngsten Gerichts, die Giotto in Padua geschaffen hat. "Die Frage nach dem Himmel", so erläutert der Autor im Anschluss, "ist die humane Antwort des Menschen auf seine Menschwerdung. Sie lässt erkennen, dass er ein geistbestimmtes Lebewesen ist, unterschieden von allen Tieren... Die Frage nach dem Himmel gehört... zu den ursprünglichsten und menschlichsten aller denkbaren Menschenfragen" (46). Dabei unterscheidet B. vier Bedeutungen des Wortes "Himmel" in unserem üblichen Sprachgebrauch. Es steht: (1) für das sich scheinbar über uns wölbende Firmament, (2) für die Transzendenz, also all das was die Welt übersteigt, (3) als Metapher für etwas außerordentlich Angenehmes, Beglückendes oder Befriedigendes und (4) für den Ort oder Zustand der Beseligung nach dem Tod (48). Die Geschichte, so der Autor, füllt die Bilder vom Himmel in je unterschiedlicher, der Zeit und der jeweiligen Kultur angepasster Weise: "Himmel und Hölle sind (dabei) Chiffren für die Sinnhaftigkeit und die Sinnlosigkeit, für Lebenserfüllung und finales Scheitern, für selige Erfüllung und grauenhaf- tes Versagen der eigenen Existenz... Es geht dabei ums Ganze, und es geht um alles" (57).
Schon Zarathustra (um 1400 v.Chr.) lehrt die Zusammensetzung des Menschen aus Leib und Seele; im Tod trennt die Seele sich vom Leib, wird von Gott gerichtet und landet je nach Verdienst in Himmel oder Hölle. Am Ende der Tage vereinigen sich beide Bestandteile des Menschen auf der Erde und treten vor das Weltgericht. Nachdem die Erde gereinigt und zum Reich des obersten guten Gottes geworden ist, existieren die Menschen ohne Ende in dieser herrlichen Welt. Unverkennbar ist die Parallele zu späteren Vorstellungen im Kontext des Christentums. In Ägypten gibt es seit dem 7. Jahrhundert vor Christus die Vorstellung eines hierarchisierten Himmels; auch dies nimmt Einfluss auf die sehr viel späteren Bilder im Christentum. Aus der philosophischen Variante der griechisch-römischen Himmelskonzeption (ab. dem 4. Jh. v.Chr.) übernehmen die Christen die Vorstellung eines himmlischen Jenseits für die Seele, die sie allerdings für den auferstande nen Leib erweitern. "Die Jenseitsvorstellungen des Koran sind auf weite Strecken den christlichen parallel"(68). Obwohl die Bilder des hier sogenannten "Paradieses" sehr konkret sind, geht es zuletzt um "die Verei- nigung mit Allah, die Anschauung Gottes" (69). Im Buddhismus geht es um das Erlöschen allen Leids, im Hinduismus um die höchste Glückseligkeit.
Für die Christen werden neben der Paradies-Erzählung aus dem Buch Genesis die Visionen des Sehers von Patmos (Offb 21,9-22,5) bedeutend. Der Himmel ist hier das neue Jerusalem; und dies erstrahlt in glänzender Pracht. Bei allen auch hier gewachsenen Vorstellungen über das Jenseits ist es aber bedeutsam zu sehen, dass das "christliche Leben, so es einigermaßen glückt,... (selbst) bereits eine sakramentale Verwirklichung des Endzustandes (ist), der Himmel auf Erden" (82). Himmel, so Thomas von Aquin, ist identisch mit Gottesschau, der visio beatifica: "Sie ist keine Tätigkeit im aktivischen Sinn, sondern rezeptive Betrachtung (contemplatio), d.h. innerliche Erfassung Gottes, den die Seligen 'schauen, wie er ist' (1 Joh 3,2). Daraus folgt eine grenzenlose Liebe zu ihm. So erfüllt Gott die Heiligen dermaßen, dass sie nach nichts und niemand anderem Verlangen haben, es sei denn ganz am Rande... nach den anderen heiligen Menschen" (90). Allerdings - so ist des Volkes Vorstellung - bleibt die weltlich- wie die kirchlich-hierarchische Ordnung auch im Himmel erhalten, Kaiser und Päpste, Fürsten und Bischöfe haben auch im Jenseits wieder die besten Plätze. Erst in der Renaissance regiert dann die weltliche Lust in der Vorstellung des Himmels: "Alle Sinne sind voller Wohlbehagen, so dass kein irdischer Liebesgenuss dem vergleichbar ist" (100). Viel nüchterner ist dagegen der Himmel der Reformatoren: "Man sieht keine Heiligen mehr; sie könnten die Ausrichtung auf Gott allein hemmen" (104). In der Moderne werden alle Phantasien und Vorstellungen vom Jenseits über den Haufen geworfen, die Rede und Vorstellung von einem Himmel wird als metaphorisch erkannt und ausdrücklich auch benannt.
Der dritte Beitrag, der von CHRISTOPH WETZEL verfasst wurde, ist der Ikonographie des Himmels gewidmet. Hier gibt es eine Vielzahl von Beschreibungen sehr unterschiedlicher Bildmotive aus sehr unterschiedlichen Kulturen und Religionen. Ein barockes Deckengemälde aus dem Schloss Nymphenburg ist hier ebenso vertreten wie der vierte Tag der Schöpfung aus der Sixtinischen Kapelle im Vatikan, die Darstellung der Nachtfahrt des Sonnengottes Amun-Re wie das Mandala, eine buddhistische Pagode ebenso wie das karolingische Weltrad und vieles andere. Bei aller Schönheit der Abbildungen scheint dieses Kapitel ein wenig zusammengewürfelt, der Zusammenhang mit der Himmels-Vorstellung auch nicht immer klar.
Im vierten und letzten Beitrag, der vergleichsweise sehr knapp ausgefallen ist, gibt MEDARD KEHL eine systematisch-theologische Darstellung der christlichen Vollendungshoffnung. Die Bedeutung des Ausdrucks "Himmel" erläutert der Autor als "die 'Wohnung Gottes' in seiner Schöpfung, die zum einen dem Menschen und seiner Verfügung entzogen ist und doch zum anderen eine Beziehung zur 'Erde', zur Erfahrungswelt des Menschen, hat" (199). Der Himmel sei damit eine dynamische, expansive Wirklichkeit. Im Anschluss daran erläutert K., dass in der gegenwärtigen christlichen Theologie wieder unbefangener von der Seele und ihrer Unsterblichkeit gesprochen wird, allerdings in sehr veränderter Weise gegenüber der klassischen Leib-Seele-Lehre. Theologen verstehen nämlich "heute unter der Seele des Menschen den ganzen Menschen - allerdings unter einer bestimmten... Lesen Sie weiter... ›
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 19. Februar 2007 | | |
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